Mikrooxidation

Bei der Mikrooxidation wird einem Wein im Tank oder Fass gezielt in winzigen Mengen Sauerstoff zugeführt. Das soll Gerbstoffe weicher machen und die Farbe stabilisieren.

Sauerstoff gilt oft als Feind des Weins, in kleinen Dosen gehört er aber zur Reifung. Im Barrique dringt eine winzige Menge durch das Holz und den Spund, im Edelstahltank so gut wie keiner. Bei der Mikrooxidation wird dieser Effekt gezielt nachgebaut: Über spezielle Geräte, sogenannte Diffusoren, gelangt Sauerstoff in sehr kleinen, gemessenen Mengen über Wochen oder Monate in den Wein.

Entwickelt wurde das Verfahren in den 1990er-Jahren von Patrick Ducournau in Madiran in Südwestfrankreich, für die dort verbreitete, sehr gerbstoffreiche Sorte Tannat. Die Idee: harte Tannine zähmen, ohne den Wein lange im Holz zu lagern.

Die Wirkung beschreibt man so: Gerbstoffe und Anthocyane verbinden sich, die Farbe wird stabiler und der Gerbstoff wirkt geschmeidiger. Unangenehme reduktive Noten, die ohne Luftkontakt entstehen können, lassen nach. Der Wein wird früher zugänglich. Eingesetzt wird das Verfahren vor allem bei Rotwein, bei Weißwein und Rosé seltener.

Die Dosierung ist entscheidend. Zu viel Sauerstoff lässt den Wein oxidieren, er verliert Frucht und Farbe. Deshalb arbeitet man mit Messgeräten und Erfahrung.

Die Mikrooxidation ist ein Werkzeug der Kellertechnik und rechtlich zulässig. Ob ein Winzer es nutzt, steht nicht auf dem Etikett. Mit dem Ausbau im Barrique ist sie verwandt, ersetzt ihn aber nicht, denn das Holz gibt zusätzlich Aromen und Tannine ab.

Häufige Fragen

Was ist Mikrooxidation einfach erklärt?

Ein Verfahren, bei dem ein Wein im Keller kontrolliert in winzigen Mengen Sauerstoff erhält. Es soll Gerbstoffe weicher machen und die Farbe stabilisieren.

Wofür wird Mikrooxidation eingesetzt?

Vor allem bei Rotweinen, um harte Gerbstoffe zu mildern, die Farbe zu festigen und reduktive Noten abzubauen. Bei Weiß- und Roséweinen ist sie seltener.

Ist Mikrooxidation dasselbe wie Barrique-Ausbau?

Nein. Im Barrique gelangt ebenfalls wenig Sauerstoff an den Wein, aber nicht dosierbar. Zusätzlich gibt das Holz Aromen und Gerbstoffe ab.

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